Mittels einer Informationsveranstaltung im Hotel-Wellness Büel wurde orientiert, inwiefern St. Antönien breitbandmässig erschlossen wird.
Es ist kaum zu glauben, aber wer denkt, dass heutzutage jedermann mittels einer Breitbandverbindung Informationen im Internet beziehen kann, wird spätestens wenn er in St. Antönien ist eines besseren belehrt. Eine Verbindung ins Internet führt im Prättigauer Seitental nicht an einer langsamen und teuren Einwählverbindung vorbei.
Für die technische drahtgebundene Infrastruktur, sprich letzte Meile, ist in der Schweiz die Swisscom zuständig. Mit diesem Auftrag verbunden sind Auflagen seitens des Gesetzgebers, in welchen die Breitbandverbindung erst ab Anfang 2008 aufgeführt ist. Somit hat es die Swisscom unterlassen, in unrentablen Randgebieten ein entsprechender infrastruktureller Ausbau vorzunehmen.
Ab 1. Januar 2008 beginnt jedoch eine neue Konzessionsperiode, wo nun der Betreiber der letzten Meile, voraussichtlich wird dies wieder die Swisscom sein, dazu verpflichtet wird, dass der Breitbandzugang mit einer Geschwindigkeit bis 600 kBit/s für jeden Telefonanschluss in Siedlungsgebieten gewährleistet sein muss.
Technische Ansätze
Das dieser Zustand nicht tragbar ist, sollte jedem einleuchten. So haben die Firmen Valer Computer und Friko EDV nach Lösungen gesucht. Für den Zugang ins Internet gibt es verschiedene technische Ansätze, drahtgebunden wie auch durch die Luft. Eine drahtgebundene Lösung kann nur realisiert werden, wenn die Swisscom das Netz ausbaut, resp. eine Glasfaserleitung von Küblis nach St. Antönien zieht. Für eine Internetanbindung durch die Luft könnte das GSM-Netz der Mobilanbieter (Swisscom oder Sunrise) genutzt werden. Dafür gebe es nämlich technische Möglichkeiten, die zwar nicht so schnell und kostengünstig wie ADSL sind, aber durchaus realisiert werden könnte, wenn die Sender diesbezüglich entsprechend ausgerüstet wären. Leider ist auch dies in St. Antönien für einmal mehr nicht der Fall. Ein komplett neuer Ansatz kommt nun von der Firma Oskar Emmenegger & Söhne aus Zizers, die die Möglichkeit sieht, das Breitbandsignal durch die Luft über Wireless-LAN in die Haushaltungen zu bringen.
Informationsveranstaltung
An der Informationsveranstaltung auf im Hotel-Wellness Büel haben sich 13 interessierte St. Antönier eingefunden. Als Referenten waren Renato Cadisch (Swisscom Fixnet Leitungsbau), Thomas Meyer (Bluewin TV) und Rafael Emmenegger (AirDSL) anwesend.
Netzausbau
Als erstes orientierte Renato Cadisch über den Ist-Zustand der Telefonleitungen nach und in St. Antönien. Dass ADSL zur Zeit nicht zur Verfügung steht, liegt an der Technologie, welche es nur ermöglicht, ADSL maximal 5 km von der letzten Telefonzentrale, die mittels Glasfaserkabel eingespiesen wird, zu betreiben und diese ist momentan in Küblis. Die Swisscom hat nun den Ernst der Lage erkannt und ist bemüht, den Ausbau zu forcieren. Bis Ende November 2007 sollte das Glasfaserkabel bis Ascharina verlegt werden können. Bedingung dafür ist jedoch, dass es seitens der Baugesuche nicht zu zeitlichen Verzögerungen kommt und diese raschmöglichst bearbeitet werden können. Ist das Glasfaserkabel einmal in Ascharina, kann von dort aus im Umkreis von 5 km (Leitungslänge nicht Luftlinie!) ADSL theoretisch betrieben werden. Es ist jedoch zu beachten, dass dann nach wie vor nicht jeder Anschluss für Breitband geeignet ist. So können zum Beispiel Hausanschlüsse, die mit einem Leitungsverdoppler gespiesen werden, nicht mit ADSL betrieben werden. Weiter sind Leitungen, über welche Brandschutzmeldungen installiert sind, ebenfalls nicht geeignet. Bis Ende November 2008 wird dann das Glasfaserkabel bis ins Dorf St. Antönien verlegt und der Aktionsradius nochmals erhöht. Die kompletten Ausbaukosten bis das Glasfaserkabel im Dorf St. Antönien ist, wird um die CHF 800’000.- betragen.
Bluewin TV
Die Kommunikationstechnologie entwickelt sich sehr rasant. Heute ist das Bedürfnis nach einem Breitbandanschluss vorhanden und was ist morgen ? Thomas Meyer von Bluewin TV hat den Anwesenden aufgezeigt, wie die Swisscom seit November letzten Jahres TV-Programme übers Internet verteilt. Seit dem Start von Bluewin TV konnten bereits 30’000 Abonnenten gewonnen werden. Für Bluewin TV benötigt es aber bereits einen weiteren Ausbaustandard. Um die benötigten Bandbreiten zu erreichen, sollte das Glasfaserkabel bis 750 Meter zum Kunde geführt werden, d.h. dass z.B. für St. Antönien weitere Verteiler gebaut werden müssten. Da dieses Angebot nicht zu der Grundversorgung gehört, muss die Gemeinde bei allfälligem Interesse bei der Swisscom einen entsprechenden Antrag stellen und sich an den Ausbaukosten beteiligen.
AirDSL
Einen komplett anderen Ansatz für die Breitbanderschliessung zeigte Rafael Emmenegger von der Firma Oskar Emmenegger & Sohne AG aus Zizers. Mit seinem AirDSL würde eine Standleitung von Küblis bis St. Antönien bei der Swisscom gemietet werden. Danach wird das Breitbandsignal durch die Luft mittels WLAN (Wireless-LAN) auf Relaisstationen und von dort auf Aussenantennen, die sich jeweils an der Aussenwand der Gebäude befinden, weitergeleitet. Mit 4-5 Relaisstationen sollte St. Antönien abgedeckt werden können. Sobald 10 – 12 Personen von diesem Angebot profitieren möchten, kann dieses Netzwerk innert anderthalb Monaten realisiert werden. Die Kosten belaufen sich einmalig auf knapp 400 Franken für die Aussenantenne (ohne Installation) und monatlich CHF 49.- für das günstigste Abonnement. Die Firma Oskar Emmenegger & Söhne betreibt bereits AirDSL Netzwerke in Zizers/Landquart, Schiers, Jenaz, Fläsch, Maienfeld und hat solche auch bereits in verschiedenen Ländern mitgeholfen aufzubauen.
Wie weiter?
Die Informationsveranstaltung hat nun gezeigt, dass sich wirklich etwas tut in Sachen Breitbandanschluss in St. Antönien. Zum einen konnten die Herren Cadisch und Meyer von der Swisscom glaubwürdig überbringen, dass sie nun wirklich das Breitbandproblem in Angriff nehmen und alles in die Wege geleitet haben, das dies auch mit Priorität erfolgt, und zum anderen liefert Rafael Emmenegger eine fertige Lösung.
Zwei Varianten wurden aufgezeigt. Es heisst aber nun keineswegs, dass sich St. Antönien für die eine oder andere entscheiden muss, eher kann man sagen, dass sich beide Varianten optimal ergänzen. Die Swisscom liefert das Signal ins Dorf St. Antönien und wird vermutlich die umliegenden Hausanschlüsse direkt bedienen. Bei Anschlüssen, wo die Zuleitungen nicht geeignet sind und der Swisscom auch entsprechende Kosten verursachen würde, kann Breitband ohne grossen Aufwand mit AirDSL genutzt werden. Wenn diese zwei System nun zusammenspannen, könnte St. Antönien bis Ende Jahr mit Breitband vollständig ausgebaut werden und beide Firmen hätten für den Betrieb die notwendigen Abonnenten. Wer sich nun konkret für einen Breitbandanschluss interessiert, kann sich bei den Firmen Friko EDV in Fideris und Valer Computer in Küblis melden, die dann das Notwendige in die Wege leiten, damit der Kunde zu seinem Breitbandanschluss kommt.
via Friko EDV / Valer Computer
