Radio Grischa und Tele Südostschweiz mit Millionenverlust

Baz – Radio Grischa, Radio Engiadina und Tele Südostschweiz haben im letzten Jahr einen Millionenverlust eingefahren, das ganze Aktienkapital ist verloren. Mit einem Sanierungsprogramm wurde an der GV verhindert, dass die Südostschweiz Radio/TV AG ihre Bilanz beim Richter deponieren musste.

Ein Bericht vom Bündner Anzeiger

Unter dem Dach der Firma Südostschweiz Radio/TV AG verbreiten Radio Grischa, Radio Engiadina und Tele Südostschweiz ihre täglichen Sendungen vorwiegend im Kanton Graubünden. Die Südostschweiz Mediengruppe partizipiert mit einem Anteil von 80 Prozent an dem Unternehmen, über dem der Pleitegeier kreiste. Der Verlust im letzten Jahr beträgt Fr. 1 020 000.–, das Aktienkapital beläuft sich lediglich auf Fr. 980 000.–. Das heisst, dass die Firma ohne einschneidende Massnahmen die Bilanz deponieren müsste. Mit einem Kapitalverzicht und einer Neuliberierung von Fr. 320 000.– versucht die Gesellschaft, den drohenden Konkurs abzuwenden.

Gründe für den Eklat
Während die Medien der Südostschweiz- Gruppe ihre Leser und Hörer über den Eklat nicht informieren, musste wenigstens den Aktionären reiner Wein eingeschenkt werden. Verwöhnt mit positiven Zahlen wurden sie in den letzten Jahren nie, vielmehr zeigen die Jahresberichte, dass bei höheren Personalkosten immer weniger in das Programm investiert wurde, bei Radio Grischa kürzte man in den Jahren 2004 und 2005 die Ausgaben für das Programm um 25 Prozent. Genützt hat das nichts, die Gründe für den massiven Verlust des letzten Jahres werden von VR-Präsident Hanspeter Lebrument, dessen beide Söhne als Geschäftsleiter und Chefredaktor in der Südostschweiz Radio/ TV AG tätig sind, mit drei Hauptursachen angegeben:

- Die Verbreitung der Programme erfolgte früher kostenlos, als die Tele Rätia AG als kantonale Verbreitungsgesellschaft zuständig war. Nachdem der Kanton die Tele Rätia AG an die Swisscom verkauft hat, ist es damit vorbei.

- Radio Grischa und Radio Engiadina verfügen nicht über genügend Hörerzahlen, von Tele Südostschweiz gar nicht zu reden. Nachdem die Hörerforschung im Jahre 2003 auf eine neue Basis gestellt wurde, resultierte darauf ein Rückgang von nahezu 50 Prozent für Engiadina und Grischa, statt 150 000 Hörer konnte man nur noch 80 000 Hörer ausweisen. Zu wenig, um damit Werbekunden zu gewinnen.

- Zu einem weiteren massiven Einnahme-Rückgang kam es beim Gebühren-Splitting. Da die Südostschweiz Radio/TV AG ein Gegengeschäft mit Tele Top einging, wird das Splitting nicht mehr auf der Basis von Fr. 1,5 Mio. berechnet, sondern nur noch mit 0,25 Mio.

Diese drei Gründe – von eigenem Verschulden oder gar Misswirtschaft ist nirgends die Rede – haben dazu geführt, dass das Aktienkapital von Fr. 980 000.– vollständig verloren ist und auf null abgeschrieben werden muss. Die Kritik der Südostschweiz Mediengruppe an der Hörerschaftsforschung, welche die Berggebiete vernachlässige, fruchtete nichts und der Einfluss über die Forschungsstiftung Mediapulse bleibt Radio Grischa versagt. Das sorgte vor Kurzem für rote Köpfe. Radio Grischa ist aus dem Verband Schweizer Privatradios (VSP) ausgetreten, weil ihm der Zugang zum Stiftungsrat der neuen Forschungsstiftung Mediapulse verwehrt wurde. Anspruch auf einen Sitz haben drei Radiosender, welche dem VSP angehören.

Neues Kapital
Mit der Zeichnung von neuem Aktienkapital werden dem Unternehmen Fr. 320 000.– an frischem Kapital zugeführt, 640 neue Namenaktien zu einem Nennwert von Fr. 500.–. Die Frist zur Zeichnung läuft bis zum 15. Juli 2007, wobei nur die bisherigen Aktionäre dazu eingeladen werden. Aufgrund dieser mageren Kapitaldecke darf das laufende Geschäftsjahr höchstens einen Verlust von Fr. 160 000.– erwirtschaften, ansonsten die Aktionäre im kommenden Jahr wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert werden.

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