Die JUSO Graubünden hat an ihrer letzten Vollversammlung die Parolen zu den kommenden Abstimmungen gefasst: JA zu Zukunft mit Komplementärmedizin und JA zur Justizreform. Die Parole zur Vorlage über biometrische Pässe wurde bereits am 28. März gefasst.
Komplementärmedizin unabhängig vom Einkommen ermöglichen
Durch die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin können alle Patientinnen und Patienten nach ihren individuellen Bedürfnissen behandelt werden. Öffentlich anerkannte Diplome im Bereich der Komplementärmedizin versprechen ausserdem eine höhere Behandlungsqualität. Die betreffenden Leistungen werden zudem wieder in die Grundversicherung aufgenommen (falls sie von SchulmedizinerInnen mit FMH- anerkannten Zusatzbildung praktiziert werden). Damit wird eine Behandlung mit Komplementärmedizin allen Bevölkerungsschichten ermöglicht – unabhängig vom Einkommen.
Bessere Entscheide durch Professionalisierung und Unabhängigkeit
Graubünden hat verschiedene Reformen bitter nötig – darunter auch die Justizreform. Diese verspricht eine Professionalisierung der Justiz. Viele Kreispräsidentinnen und –präsidenten haben keine juristische Ausbildung. Daher ist es richtig, alle richterlichen Aufgaben den Bezirksgerichten bzw. der Staatsanwaltschaft zu übertragen. Die dort arbeitenden Gerichtspersonen hätten zudem höhere Fallzahlen, was zu mehr Erfahrung und damit besseren Entscheiden führt.
Die Justizreform verspricht ausserdem eine Stärkung der richterlichen Unabhängigkeit. Einerseits durch die konsequente Trennung von Politik und Justiz. Andererseits können Gerichtspersonen der Bezirksgerichte und der Staatsanwaltschaft unabhängiger entscheiden, da sie – im Gegensatz zu den Kreispräsidentinnen und –präsidenten – regional weniger bekannt sind.
Ähnliche Beiträge :













Was ist nur los mit den Entscheidungsträgern in unserem Land, dass Mehrheitsentscheidungen derart irrational zugunsten sektoider Glaubenssysteme ausfallen? Und wieso traut sich kaum mehr einer zu sagen, dass 1+1=2 ist?
>Durch die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin können alle Patientinnen und >Patienten nach ihren individuellen Bedürfnissen behandelt werden.
Homöopathie und Medizin schließen einander aus, eine “Zusammenarbeit” ist daher nicht möglich. Auch wenn Hahnemann nicht vieles wusste, in diesem einen Punkt wird ihm jeder wissenschaftliche Mensch zustimmen.
>Öffentlich anerkannte Diplome im Bereich der Komplementärmedizin versprechen ausserdem eine
>höhere Behandlungsqualität.
Falsch. Wie soll die Behandlungsqualität erhöht werden, wenn die heutigen medizinischen Standards durch längst widerlegte Pseudomedizin “ergänzt” und damit ad absurdum geführt werden? Die Homöopathie bleibt unwirksam, selbst wenn wir ihre Diplome mit einem Goldrand versehen. Das ist Augenwischerei.
>Die betreffenden Leistungen werden zudem wieder in die Grundversicherung aufgenommen
Und die Beiträge werden dadurch steigen.
Zusätzliche Leistungen in der Grundversicherung bedeuten zusätzliche Kosten in der Grundversicherung.
1+1=2
>Damit wird eine Behandlung mit Komplementärmedizin allen Bevölkerungsschichten ermöglicht –
>unabhängig vom Einkommen.
Der Kassenbeitrag wird erhöht- für alle Einkommensschichten. Und unabhängig davon, ob man dem Glauben anhängt, dass Globiuli wirken, oder ob man noch 1 und 1 zusammenzählen kann.
Regula Müller
Ich habe (wie wahrscheinlich die meisten) immer gedacht, die Komplementärmedizin wäre im Prinzip gut, nur halt noch nicht recht erforscht. Und man müsste sie nur mehr unterstützen, dann würde man der Wirksamkeit auf die Spur kommen.
Nachdem ich in den letzten Wochen die Diskussionen in den Blogs verfolgt habe, muss ich zugeben, dass ich meine Meinung geändert habe. Das Thema “Alternativmedizin” hat es ja wirklich in sich. Warum wird sonst so selten über das doch eigentlich eindeutig rassistische Menschenbild Rudolf Steiners und seiner Anthroposophen diskutiert? Was ist von einer “Medizin” zu erwarten, die sich darauf beruft? Es ist erschreckend.
Wenn ich mir die Argumente der Homöopathie- Befürworter durchlese, stelle ich mit ähnlichem Erschrecken fest, wie sehr sie einander gleichen, und wie wenig man sich mit kritischen Fragen auseinandersetzt. Gerade so, als ob die Homöopathie eine Ausnahme für sich beansprucht. Wieso kann sie nicht nachweisen, dass sie wirkt, wenn sie es doch angeblich tut? Unverständlich! (Übrigens: Danke für den obigen Link, Frau Müller) Warum liest man immer die gleichen Berichte “Ich hatte Krankheit x und kein Arzt konnte mir helfen. Heute nehme ich Hom. und bin geheilt.”? Das sind doch Glaubensbekenntnisse und keine Argumente!
Nein, ich habe meine Meinung geändert und werde am Sonntag mit “Nein” stimmen. Mein Eindruck von der Komplementärmedizin ist mittlerweile so schlecht, dass ich ein “ja” gar nicht mehr verantworten kann und will
Guten Tag Frau Müller, guten Tag Frau Winkler,
Ich bin sehr glücklich über diese zwei Wortmeldungen. Als Mitglied der SP und als ehemaliger Chemiker bin ich sehr enttäuscht über die Parolen meiner Partei. Hier wird nicht nur der gesunde Menschenverstand strapaziert, sondern weitaus schlimmer, es ist ein Armutszeugnis unserer Bildungsinstitutionen, dass sie es nicht fertiggebracht haben, Menschen im Sinne eines kritischen Rationalismus auszubilden. Ich habe mich gefragt, ob es in unserer Partei keine Chemiker, Biologen, Physiker, Mediziner gibt und falls es sie gibt, warum sie nicht intervenieren, auch wenn es nicht gerade einfach ist, da man sofort als sturer pharma- und wissenschaftsfreundlicher (?) Materialist gestempelt wird. Auf jedenfall ist nichts so sicher wie die Aussage, dass die Homöopathie nicht wirksam ist. Es gibt bisher keine Studien, die eine Wirksamkeit, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, beweist (abgesehen davon, dass man ja das nicht kann). Es gibt zwar Hinweise, wie es bei jeder Studie sie gibt, aber sie konnten nicht reproduziert werden oder es konnten ihr grobe methodische Mängel nachgewiesen werden. Ich selber habe solche Studien gesehen. Kurz: die Wirksamkeit der homöopathische Potenzierung ist widerlegt.
Leider ist es nun zu spät zu intervenieren, aber ich war sehr froh um diese beiden Einträge. In Zukunft werde ich aktiver und mich in meiner Sektion um die naturwissenschftliche Ausbildung der Mitglieder kümmern.
Gruss
Fabio Valeri
Jetzt beginnt- wie erwartet- die Hinhaltetaktik der Komplementär-Enthousiasten:
Blick:
“Jörg Fritschi, Präsident der Union komplementärmedizinischer Organisationen, sagte in «Le Temps», dass man sich jetzt Zeit nehmen wolle und die Dossiers erst im Frühling 2010 einreichen könne.”
Fragen:
1. Wieso hat Jörg Fritschi keine verlässlichen Daten?
(Die “Komplementärmedizin” soll ja erwiesenermaßen “zweckmäßig, wirtschaftlich und wirksam” sein. Jedenfalls machte man das dem Stimmbürger VOR der Abstimmung glauben. Die Daten müssten also schon lange vorliegen, wo sind sie?)
2. Wieso bremst er das Votum der Stimmbürger aus?
(Die Schweizer haben Abgestimmt. Der Auftrag an die Regierung ist also klar. Jetzt müssen von Seiten der Initiatoren die Fakten auf den Tisch. Nicht erst in einem Jahr.)
3. Kann es sein, dass das Schweizer Stimmvolk an der Nase herumgeführt worden ist?
(Couchepin hat immer auf die Unseriosität der “Alternativmedizin” hingewiesen. Die Belege für Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit und Wissenschaftlichkeit sind bis heute nicht erbracht worden. Qua Amt muss er nun jedoch dem Votum der Mehrheit entsprechend handeln. Die “Komplemetärmedizinder” verweigern ihm jetzt ihrerseits die notwendigen Daten und schieben ihm den schwarzen Peter unter, ER verzögere den Prozess.)
Da ist massiv etwas faul. Fakten auf den Tisch!
Hans Fink
Guten Tag meine Damen und Herr,
ich kann alles unterschreiben, was Sie bis dato geschrieben haben. Ich kann nur hoffen, dass das schweizer Stimmvolk ausreichend Rückgrat zeigt, und sich den Irrtum eingesteht, dem es aufgesessen ist. Die meisten Menschen sind schlicht nicht ausreichend informiert, z.B. über das Wesen der Homöopathie. Man kann ihnen kaum den Vorwurf machen, dass sie den Argumenten der “sanften Medizin” in gutem Glauben gefolgt sind.
Zitat Fabio Valeri
>”wenn es nicht gerade einfach ist, da man sofort als sturer pharma- und wissenschaftsfreundlicher (?)
>Materialist gestempelt wird.”
Oder Pharmalobbyist- nur, weil man sich der Esoterik nicht beugt. Wenigstens eines ist in den letzten Wochen jedenfalls deutlich geworden: Die Alternativmediziner haben eine sehr gut funktionierende Lobby, bis hinauf in die oberen Etagen.