Doppelte Freude für Toni Livers und Seraina Boner: Für das Langläuferpaar aus Davos ging die Rechnung am 27. Planoiras Volkslanglauf in Lenzerheide vollständig auf. Er siegte hoch überlegen bei den Männern, sie knapp bei den Frauen.
Von Jörg Greb
Der Unterschied zwischen aktueller Weltklasse, einstiger Elite und Volkslaufspitze zeigte sich am traditionellen Planoiras nicht sofort. Toni Livers bestimmte zwar ab den ersten Metern den Rhythmus an der Spitze des Feldes, abzusetzen vermochte sich der 29-Jährige bei tiefen Minustemperaturen und perfekter Winterlandschaft aber nicht sogleich. Evgeny Bogdanov, der Russe des Atomic-Langlaufteams, der Berner Oberländer Mathias Inniger sowie der ehemalige Nationalmannschaftsläufer und jetzige Cheftrainer Langlauf der Stiftung Sportgymnasium Davos, Gion-Andrea Bundi folgten keck. Livers störte sich nicht daran. «In der Gruppe läuft‘s sich einfacher», dachte er. Doch Führungsarbeit leistete nur er.
Und nach wenigen Kilometern setzte sich Livers endgültig ab. Leicht fiel es ihm sodann, seine Position zu festigen und zu halten. Als schwer empfand er es aber, seine Leistungsgrenze anzutasten. Zufrieden war Livers trotzdem: «Dank der coupierten Strecke konnte ich immer wieder pushen, quasi ein Intervall-Training absolvieren.» Und er genoss die «perfekten Verhältnisse und die griffige Piste.» Nach 1:01:56-Stunden hatte Livers die 25 km bewältigt. Einen Vorsprung von genau einer Minute wies er damit auf Bundi, 1:22min auf Bogdanov und 2:17min auf Inniger auf. «Dieses Rennen war effektiver als jedes Training», zog der Weltcup-Sieger von Davos 2007 erfreut Bilanz.
Boners Revanche
Ihren Triumph stärker gefährdet sah Seraina Boner. Die Lebenspartnerin von Livers war nach Rückenbeschwerden seit dem Jahreswechsel vorsichtig ins Rennen gestartet. Trotzdem wusste sie sich stets an der Spitze des Frauenrennens. Bis zum Einbiegen in die Schlussschlaufe, nur wenige hundert Meter vor dem Ziel. Plötzlich entdeckte sie die Olympia-Medaillengewinnerin von 2002 und erwiesenermassen unermüdliche Kämpferin Natascia Leonardi Cortesi neben sich. «Jetzt musst du sprinten», sagte sich Boner und beschleunigte. Jetzt machte sich bezahlt, dass sie noch über Reserven verfügte. Boner gewann und revanchierte sich damit erfolgreich für die Reihung des letzten Jahres in umgekehrter Folge. Und Natascia Leonardi strahlte dennoch: «In der Vorwoche war ich noch krank, mir fehlte ein Quäntchen Kraft.» Die überraschende Ski-OL-Spezialistin Ladina Lechner (Chur) lag als Dritte bereits 3:08-, respektive 3:05-Minuten hinter dem Duo Boner/Leonardi zurück.
Schurter vor Vogel – trotz Cologna-Support
Mit knapp einer Minute weniger als die schnellste Frau erreichte Urs Baselgia das Ziel – Baselgia, der OK-Präsident des Planoiras. Schneller war er damit als manch ambitionierter Volkslangläufer und schneller auch als jene beiden Sportler mit Weltruhm, die beiden Weltklasse-Mountainbiker Nino Schurter (Tersnaus) und Florian Vogel (Rapperswil). Mitunter könnte dies auch mit zu viel Respekt der beiden Langlauf-Renn-unerfahrenen zu tun haben. «Wir reihten uns am Start zu defensiv ein und verpassten so eine vordere Gruppe», lachten Vogel und Schurter im Ziel. Dieses erreichten sie dennoch auf den erstaunlichen Positionen 28 (Schurter) und 32 (Vogel).
«Auch nach dem Start-Fauxpas kamen wir nicht ohne Missgeschick über die Strecke», erklärten die beiden Profisportler. Schurter brach sich einen Stock und Vogel stürzte kurz vor dem Ziel. Letzteres war der Grund, dass es zu keiner Spurtentscheidung zwischen den beiden Bike-Kollegen und gleichzeitig Kontrahenten kam. «Ich fiel aus der Gruppe und hatte als Einzelkämpfer keine Chance, die Lücke wieder zu schliessen», bedauerte Vogel. Vielleicht aber gab’s auch einen andern Grund: Schurter trug einen speziellen Ski an den Füssen – ein Rennmodell, das er von Dario Cologna erhalten hatte.
