Traditionelle Waldnutzungen im Prättigau – Vortrag mit Filmausschnitten „Hüeterbueb und Heitisträhl“

Gewinnung von Buchenlaub, Flums (SG). Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel

Gewinnung von Buchenlaub, Flums (SG). Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel

Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Wald ein Ort, wo das Vieh Futter und der Mensch neben Holz auch Nahrung, Wirk- und Werkstoffe fand. Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der Universität Bern haben dazu das Erfahrungswissen von 60 Zeitzeugen dokumentiert. Aus ihrer Studie sind mit Unterstützung der Bristol-Stiftung ein Buch und mehrere kurze Dokumentarfilme entstanden. Am 14. Juni um 20 Uhr berichtet Dr. Matthias Bürgi von der WSL im Kulturschuppen von Klosters über diese traditionellen Waldnutzungen und zeigt Ausschnitte aus den Filmen. Der Regionalverband Pro Prättigau und die WSL laden die Bevölkerung des Prättigaus und Landwassertals dazu herzlich ein, der Eintritt ist frei.

Waldweide, Waldfeldbau, Viehfutter- und Streuentnahme sowie die Gewinnung von weiteren hauswirtschaftlichen oder gewerblichen Produkten wie Aschenlauge, Beeren, Gerberlohe, Harz und Wildkräuter waren um 1800 vielerorts ebenso wichtig wie die Holznutzung. Die Bauern verwendeten Laub und Nadeln früher als Streu im Stall. Das Baumharz brauchten sie bei der Schweinemetzgete, die Holzasche diente ihnen an Stelle von Waschpulver beim Waschen oder auf dem Feld als Dünger. Fichtenzapfen und Baumrinde waren beliebte Brennstoffe, Arvennüsse, Tannenspitzen, Pilze und Beeren hingegen bedeuteten konzentrierte Nahrung. Und mit Laub und Farn liessen sich Matratzen und Kissen füllen. All dies zeigt: Die Produkte aus einheimischen Wäldern und ihre Verwendungsmöglichkeiten sind zahlreich.

Seitdem hat sich die Nutzung des Schweizer Waldes grundlegend verändert. An der WSL wird die Geschichte dieser Waldnutzungen intensiv untersucht. Seit 2005 haben Matthias Bürgi (WSL) und Martin Stuber (Universität Bern) in fünf Untersuchungsgebieten (Saanenland, Vorderes Vispertal, Fankhausgraben, Schächental und Prättigau) Zeitzeugen zu ihren Kenntnissen und Erfahrungen mit traditionellen Formen der Waldnutzung befragt.

Waldweide und Harz im Prättigau

Im Juni 2012 werden Matthias Bürgi und Martin Stuber ihre eindrücklichen Ergebnisse und Ausschnitte ihres Filmes in Form von öffentlichen Vorträgen in den fünf Untersuchungsgebieten vorstellen. In Klosters gibt Matthias Bürgi einen Überblick über die Vielfalt der früheren Waldnutzungen und er stellt dar, wodurch sich die Waldnutzung im Prättigau besonders auszeichnete. Weit verbreitet war in dieser Region die Waldweide mit Rindvieh und Ziegen, aber auch die Nutzung von Harz zu Heilzwecken und als Kaugummi, von Holzasche fürs Wäschewaschen, von Nadelstreue zum Einstreuen in die Ställe.

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