Erstes Outlet-Dorf der Schweiz in Landquart

In Landquart erwartet das erste als Dorf gebaute Outlet-Center der Schweiz heute die ersten Wochenend-Schnäppchenjäger. Das am Donnerstag eröffnete «Alpenrhein Village» soll im ersten Jahr insgesamt 1,2 Millionen Kunden anlocken.

Als «malerischer Ort» wird das «Alpenrhein Outlet» angepriesen, als «einzigartiges Shopping-Erlebnis». Und als «idyllisch gestaltetes Dorf», in dem um bis zu 70 Prozent vergünstigte Produkte angesagter – und nicht ganz billiger – Marken wie Nike, Lacoste, Calvin Klein, Oakley, Strenesse oder Bogner angeboten werden.

Von Käse bis Mode
Ein Paradies also für jeden Schnäppchenjäger – und erst noch eines mit grosser Auswahl: Denn angeboten wird von Schokolade und Käse über Schweizer Armeemesser, Bügeleisen und Bettwäsche bis hin zu Handtaschen und Schuhen praktisch alles – vor allem aber Damen- und Herren-, Freizeit- und Sportbekleidung.
Die Auswahl begeistert auch die am Eröffnungstag zahlreich eingetroffene Kundschaft. Neugierig wird begutachtet, was in den Regalen liegt und an den Kleiderständern hängt, Preisschilder werden unauffällig geprüft. Dass der erste Rundgang durchs Village allerdings an etlichen noch unvermieteten Chalets vorbeiführt, scheint viele Kunden zu irritieren. Nicht selten zu hören sind Kommentare wie «Da steht ja noch alles leer, ich glaub, ich komme in einem halben Jahr wieder».
In der Tat sind zum Start erst 40 Läden mit 200 Angestellten auf einer Verkaufsfläche mit 8400 Quadratmetern geöffnet. Die Initianten sind mit der Auslastung zufrieden, denn in der Regel sei erst drei bis fünf Jahre nach der Eröffnung eines Outlet Centers mit Vollauslastung zu rechnen, sagt Bernd Hasse, Geschäftsführer der Investorin ING Real Estate. Doch trotz der erst 40-prozentigen Auslastung erwartet er bereits im ersten Jahr rund 1,2 Millionen Gäste – vor allem Touristen, die das Dorf besuchen werden.
Davon soll auch der Kanton profitieren. Der Bündner Regierungspräsident Hansjörg Trachsel ist überzeugt, dass der Bündner Tourismus auf «attraktive Angebote wie das Alpenrhein Village angewiesen» ist. Mit dem neuen Angebot liessen sich «wichtige Synergien für den Tourismus» nutzen, sagt Trachsel. Im Übrigen sei «keine Selbstverständlichkeit», in wirt-schaftlich schwierigen Zeiten ein 180-Millionen-Franken-Projekt zu realisieren. Dies zeige jedoch auch, dass alle Beteiligten an den Standort Landquart glauben würden, so Trachsel.
Die Kritik der Gewerkschaften am Sonntagsverkauf weist der Regierungspräsident deutlich zurück. «In Graubünden wird dann gearbeitet, wenn Gäste hier sind, und das ist auch am Sonntag der Fall», stellt er klar. So ist das Schnäppchen-Dorf nun montags bis donnerstags von 10 bis 19 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 21 Uhr und sonntags von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

«Idealer Standort»
ING-Geschäftsführer Hasse hält den Standort für ideal: «Wir sind vom Potenzial des ‹Alpenrhein Village› überzeugt.» Denn neben seiner idealen Lage an der A13 und dem Bahnhof Landquart biete es einen attraktiven Mix von attraktiven Marken. Und der neue Betriebsleiter des «Alpenrhein Village», Claudio Poltera, doppelt nach: «In meiner langen Karriere, in der ich in Europa für Outlet Centers tätig war, war ich noch nie so zuversichtlich wie heute.»
Unter den ersten Besuchern gehen die Meinungen unterdessen auseinander. Zum Beispiel, was die «Idylle» im «malerischen» Village angeht. Während die einen die Shopping-Meile als «steril» und «komplett kitschig» bezeichnen, schwärmen andere von den «süssen» – wahlweise «herzigen» – Chalets. Und davon, dass alles «so schön sauber und gepflegt aussieht».
Auch bei den Preisen gehen die Eindrücke unter den Shoppingfreunden auseinander. «Alles total billig», meint eine junge Frau noch, die gerade einen Laden mit Sportmode an-steuert. Doch dann muss sie erst mal leer schlucken. Denn das Objekt ihrer Begierde, eine Snowboard-Jacke, kostet im Outlet zwar keine 900 Franken mehr wie ursprünglich. Aber die 550 Franken, die für das Teil verlangt werden, übersteigen ihr Budget immer noch bei Weitem.
Besser gehts da einer Dame im Geschäft nebenan: Ihr Begleiter strapaziert dort gerade seine Kreditkarte, während die Einkäufe gleich in mehrere Taschen gepackt werden.

Artikel aus der Vorsaison
Für einen ordentlichen Kaufrausch taugt das Alpenrhein Village in Landquart also allemal. Denn auch die Tatsache, dass die dort verkauften Artikel – abgesehen natürlich von den Lebensmitteln – nicht aus den aktuellen, sondern jeweils aus Vorjahreskollektionen der einzelnen Hersteller stammen, dürfte kaum einen Schnäppchenjäger vom Kaufen abhalten. Umsonst gibts aber auch im «Alpenrhein Village» nichts.

via Vaterland von H.Berger und und R. Schneppat

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